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GlossarBanken / Aufsicht

Was ist der SREP (Supervisory Review and Evaluation Process)?

Kurzantwort

Der SREP ist der Prozess, mit dem die Bankenaufsicht regelmäßig Geschäftsmodell, Governance, Kapital und Liquidität jeder Bank bewertet und daraus entscheidet, ob zusätzliche Eigenmittel oder andere Maßnahmen aufzuerlegen sind. Rechtsgrundlage sind Art. 97 und 104 der Eigenkapitalrichtlinie CRD (Richtlinie 2013/36/EU); die Methodik harmonisieren die EBA-Leitlinien EBA/GL/2022/03. Wesentliches Ergebnis sind die Pillar-2-Anforderung (P2R, bindend) und die Pillar-2-Empfehlung (P2G, nicht bindend).

Zuletzt aktualisiert:

01Was der SREP ist — und die Rechtsgrundlage

Der **Supervisory Review and Evaluation Process (SREP)** ist das Verfahren, mit dem die Bankenaufsicht die Risiken jedes Instituts regelmäßig bewertet und daraus ableitet, ob die Eigenmittel und die internen Vorkehrungen ein solides Risikomanagement gewährleisten. Rechtsgrundlage ist die **Eigenkapitalrichtlinie CRD — Richtlinie 2013/36/EU**: **Art. 97** verpflichtet die Aufsicht zur aufsichtlichen Überprüfung und Bewertung, **Art. 104** (mit Art. 104a) verleiht ihr die Befugnisse, u.a. zusätzliche Eigenmittel zu verlangen [1].

Mit der **CRD VI (Richtlinie (EU) 2024/1619)** wurde der Rahmen 2024 überarbeitet (Umsetzungsfrist 10. Januar 2026, Anwendung ab dem 11. Januar 2026); sie schärft u.a. Aufsichtsbefugnisse, Sanktionen und ESG-Risiken [2].

02Die vier SREP-Elemente und das Scoring

Die **EBA-Leitlinien EBA/GL/2022/03** (anwendbar seit dem 1. Januar 2023, sie lösten EBA/GL/2014/13 ab) harmonisieren die Methodik um vier Bewertungsblöcke: (1) **Geschäftsmodell-Analyse** (Tragfähigkeit und Nachhaltigkeit), (2) **interne Governance und Risikomanagement**, (3) **Risiken für das Kapital** (Kredit-, Markt-, operationelles, Zinsänderungs-, IKT-Risiko) und (4) **Risiken für Liquidität und Refinanzierung** [3].

Jeder Block sowie das Gesamturteil werden auf einer Skala von **1 bis 4** bewertet (1 = geringstes Risiko, 4 = höchstes), ergänzt um ein „**F**” für ausfallend bzw. wahrscheinlich ausfallend. Hinweis: Eine aktualisierte SREP-Leitlinie zur Anpassung an CRR III / CRD VI war Mitte 2026 in Arbeit und wird EBA/GL/2022/03 nach Finalisierung ablösen — bis dahin bleibt 2022/03 maßgeblich [3].

03P2R vs. P2G — der Kapitalstapel

Das wesentliche Ergebnis des SREP sind zwei bankindividuelle Kapitalgrößen: die **Pillar-2-Anforderung (P2R)** — **bindend**, deckt Risiken ab, die unter Säule 1 nicht oder unzureichend erfasst sind (Rechtsgrundlage Art. 104a; zu mindestens 75 % mit Kernkapital, davon mindestens 75 % hartes Kernkapital zu erfüllen) — und die **Pillar-2-Empfehlung (P2G)** — **nicht bindend**, eine Erwartung an zusätzliches Kapital für Stressphasen [1].

Im Kapitalstapel sitzt P2R **über** Säule 1, gefolgt von der kombinierten Pufferanforderung (CBR); P2G liegt **darüber**. Wichtig: Der MDA-Auslöser (Maximum Distributable Amount, Ausschüttungssperre) knüpft an die Spitze des **bindenden** Stapels (Säule 1 + P2R + CBR) an — ein Unterschreiten der P2G löst **keine** automatische Ausschüttungssperre aus [4].

Größenordnung (SREP-Zyklus 2025, für die Kapitalanforderungen 2026, EZB-Veröffentlichung vom 18.11.2025): durchschnittlicher SREP-Gesamtscore 2,5; durchschnittliche P2R rund 1,2 % der RWA (Gesamt-P2R ca. 2,1 %); durchschnittliche P2G 1,1 %; CET1-Gesamtanforderung inkl. P2G rund 11,2 % [4]. Diese Werte werden jährlich neu festgesetzt.

04Wer den SREP durchführt — und die ICAAP/ILAAP-Verzahnung

Im einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) führt die **EZB** den SREP für **bedeutende Institute** (significant institutions) direkt durch; **weniger bedeutende Institute** beaufsichtigen die nationalen Behörden (z.B. BaFin/Bundesbank, FMA) unter EZB-Oberaufsicht. Als bedeutend gilt ein Institut u.a. bei einer Bilanzsumme über 30 Mrd. EUR oder hoher wirtschaftlicher Bedeutung — die Kriterien stehen in Art. 6 Abs. 4 der SSM-Verordnung (EU) Nr. 1024/2013 [5].

Die internen Verfahren der Bank speisen den SREP direkt: der **ICAAP** (Internal Capital Adequacy Assessment Process) fließt in Element 3 (Kapital) ein und prägt die P2R/P2G-Kalibrierung; der **ILAAP** (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process) in Element 4 (Liquidität). Belastbare ICAAP/ILAAP-Unterlagen verbessern das SREP-Ergebnis spürbar.

Abgrenzung für Wertpapierfirmen: Die meisten Wertpapierfirmen unterliegen seit dem 26. Juni 2021 dem eigenen Aufsichtsregime nach IFD (Richtlinie (EU) 2019/2034) und IFR (Verordnung (EU) 2019/2033) mit einem eigenen SREP — nicht dem CRD-SREP. Nur große „Klasse-1”-Wertpapierfirmen werden weiter wie Kreditinstitute behandelt.

Quellen

Jede zitierte Aussage führt zur Primärquelle. Externe Links öffnen in einem neuen Tab.

  1. [1]CRD — Richtlinie 2013/36/EU (Art. 97, 104, 104a) — Volltext auf EUR-Lex
  2. [2]CRD VI — Richtlinie (EU) 2024/1619 — Volltext auf EUR-Lex
  3. [3]EBA — Leitlinien zum SREP (EBA/GL/2022/03)
  4. [4]EZB-Bankenaufsicht — SREP-Ergebnisse 2025 / Kapitalanforderungen 2026 (18.11.2025)
  5. [5]SSM-Verordnung (EU) Nr. 1024/2013, Art. 6 — Volltext auf EUR-Lex

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