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GlossarBanken / Aufsicht

Was ist der ICAAP (Internal Capital Adequacy Assessment Process)?

Kurzantwort

Der ICAAP ist der bankinterne Prozess, mit dem ein Institut laufend ermittelt und sicherstellt, dass sein internes Kapital ausreicht, um alle wesentlichen Risiken abzudecken, denen es ausgesetzt ist oder sein könnte. Rechtsgrundlage ist Art. 73 der Eigenkapitalrichtlinie CRD (Richtlinie 2013/36/EU). Die EZB erwartet zwei Perspektiven — eine normative (mehrjährig, regulatorisch) und eine ökonomische — und der ICAAP fließt direkt in den SREP und damit in die Festsetzung von P2R und P2G ein.

Zuletzt aktualisiert:

01Was der ICAAP ist — und die Rechtsgrundlage

Der **Internal Capital Adequacy Assessment Process (ICAAP)** ist der bankinterne Prozess, mit dem ein Institut laufend ermittelt, ob sein internes Kapital ausreicht, um alle wesentlichen Risiken abzudecken, denen es ausgesetzt ist oder sein könnte. Rechtsgrundlage ist **Art. 73 der Eigenkapitalrichtlinie CRD (Richtlinie 2013/36/EU)**: Institute müssen „solide, wirksame und umfassende Strategien und Verfahren” einrichten, um „die Höhe, die Art und die Verteilung des internen Kapitals” laufend zu bewerten und vorzuhalten — angemessen zur Art, zum Umfang und zur Komplexität ihrer Geschäfte [1].

Das Gegenstück auf der Liquiditätsseite ist der **ILAAP (Internal Liquidity Adequacy Assessment Process)** nach **Art. 86 Abs. 1 CRD**: derselbe Mechanismus für die Identifizierung, Messung, Steuerung und Überwachung des Liquiditätsrisikos. ICAAP und ILAAP sind die beiden internen Verfahren, die das Institut selbst verantwortet — im Unterschied zum SREP, den die Aufsicht durchführt [1].

02Die zwei Perspektiven, die die EZB erwartet

Die EZB erwartet, dass der ICAAP aus **zwei einander ergänzenden Perspektiven** betrieben wird (Grundsatz 3 des EZB-Leitfadens); wirksames Risikomanagement verlangt beide, und sie „informieren sich gegenseitig”. Die **normative Perspektive** ist eine **mehrjährige** Beurteilung der Fähigkeit des Instituts, alle kapitalbezogenen regulatorischen und aufsichtlichen Anforderungen fortlaufend zu erfüllen — im Basisszenario und in adversen Szenarien über den Planungshorizont [2].

Die **ökonomische Perspektive** verlangt, dass das Institut **alle wesentlichen Risiken** identifiziert und quantifiziert, die zu wirtschaftlichen Verlusten führen und das interne Kapital aufzehren können, und sicherstellt, dass diese Risiken durch internes Kapital angemessen gedeckt sind — beurteilt auf Basis ökonomischer Werte, nicht regulatorischer oder bilanzieller Größen [2].

03Wie der ICAAP in den SREP einfließt

ICAAP und ILAAP sind zentrale Eingangsgrößen für den **SREP** (Supervisory Review and Evaluation Process) der Aufsicht. Der SREP hat vier Bewertungsblöcke: (1) Geschäftsmodell, (2) interne Governance und Risikomanagement, (3) **Risiken für das Kapital — gespeist vom ICAAP** und (4) **Risiken für Liquidität — gespeist vom ILAAP**. Der EZB-Leitfaden hält fest, dass der ICAAP „in alle SREP-Bewertungen und in die Festsetzung des Säule-2-Kapitals einfließt” [2][5].

Konkret prägt die Qualität des ICAAP die Kalibrierung der **Pillar-2-Anforderung (P2R, bindend)** und der **Pillar-2-Empfehlung (P2G, nicht bindend)**. Belastbare, gut dokumentierte ICAAP-Unterlagen verbessern das SREP-Ergebnis spürbar; schwache ICAAP-Verfahren können selbst Gegenstand qualitativer Aufsichtsmaßnahmen werden [5].

04Der EZB-ICAAP-Leitfaden — Status und Verhältnismäßigkeit

Die EZB veröffentlichte ihren **Leitfaden zum ICAAP** im **November 2018** (anwendbar seit dem 1. Januar 2019, parallel ein **ILAAP-Leitfaden**); er formuliert **sieben Grundsätze** und soll die Banken bei der Stärkung ihrer Verfahren unterstützen. Wichtig: Der Leitfaden ist **kein verbindliches Recht** — er stellt ausdrücklich klar, dass er geltendes Recht „weder ersetzt noch ihm vorgeht”, und dass im Konfliktfall das anwendbare Recht (Art. 73 CRD) vorrangig ist [2][3].

Der ICAAP ist **verhältnismäßig** auszugestalten: Art. 73 CRD verlangt eine Angemessenheit nach Art, Umfang und Komplexität des Instituts. Praktisch staffelt die Aufsicht Tiefe und Intensität entlang der **vier SREP-Kategorien (1–4)** der EBA-Leitlinien (EBA/GL/2014/13, überarbeitet durch EBA/GL/2022/03), die Institute nach systemischer Bedeutung und grenzüberschreitender Tätigkeit einordnen — größere, komplexere Institute müssen einen entsprechend tieferen ICAAP vorhalten [4][5].

05Typische aufsichtliche Befunde

In einer horizontalen Analyse der ICAAP-Unterlagen von **37 bedeutenden Instituten** (EZB-Bericht von 2020) fand die Aufsicht die Grundlagen weitgehend etabliert, benannte aber **drei zentrale Schwachstellen**: **Datenqualität** („viele Banken zeigen wesentliche Defizite in diesem Schlüsselbereich”), die **ökonomische Perspektive** (schwache Umsetzung des Konzepts, inkonsistente und zu wenig konservative Quantifizierung) und das **Stresstesting** (viele Banken beobachten ihr Umfeld nicht systematisch genug, um neue Bedrohungen früh zu erkennen) [6].

Die Konsequenz: Der ICAAP ist kein jährliches Dokument-Abliefern, sondern ein laufender Prozess, der nur so gut ist wie die zugrunde liegenden Daten. Lückenlose, prüffähige Datenhistorien über alle wesentlichen Risiken — und ihre konsistente Aggregation — sind die Voraussetzung dafür, dass die ökonomische Perspektive und das Stresstesting der aufsichtlichen Prüfung standhalten [6].

Quellen

Jede zitierte Aussage führt zur Primärquelle. Externe Links öffnen in einem neuen Tab.

  1. [1]CRD — Richtlinie 2013/36/EU (Art. 73, 86) — Volltext auf EUR-Lex
  2. [2]EZB — Leitfaden zum ICAAP (November 2018)
  3. [3]EZB — Leitfaden zum ILAAP (November 2018)
  4. [4]EBA — Leitlinien zum SREP (EBA/GL/2022/03)
  5. [5]EZB-Bankenaufsicht — SREP-Aufsichtsmethodik (Elemente 3 und 4; P2R/P2G)
  6. [6]EZB — Bericht über die ICAAP-Praxis der Banken (2020)

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