01Fit vs. Proper
Die Anforderung hat zwei Seiten. **Fit (fachliche Eignung)** verlangt, dass die Person über die Qualifikationen, das Wissen und die Erfahrung verfügt, um ihre Aufgabe für eine **solide und umsichtige Geschäftsführung** auszuüben. **Proper (Zuverlässigkeit)** verlangt **guten Leumund und Integrität** — also die persönliche Eignung, etwa frei von einschlägigen Vorstrafen oder Aufsichtsmaßnahmen. Beide Seiten müssen erfüllt sein; fachliche Brillanz ersetzt keine Integrität und umgekehrt.
02Die Rechtsgrundlagen — Versicherer und Banken
Für **Versicherer** ist **Art. 42 der Solvency-II-Richtlinie (2009/138/EG)** die Grundlage: Personen, die das Unternehmen tatsächlich leiten oder andere Schlüsselfunktionen innehaben, müssen fachlich geeignet (Abs. 1 Buchst. a) und zuverlässig (Abs. 1 Buchst. b) sein; die Detailtiefe steht in Art. 273 der Delegierten Verordnung (EU) 2015/35. Die Eignung der Mitglieder des Verwaltungs-, Management- oder Aufsichtsorgans (AMSB) folgt aus demselben Governance-System, nicht aus dem Wortlaut des Art. 42 selbst [1].
Für **Banken** ist **Art. 91 CRD (Richtlinie 2013/36/EU)** maßgeblich: Mitglieder des Leitungsorgans müssen ausreichend gut beleumundet sein und über ausreichende Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrung verfügen. Konkretisiert wird die Bewertung durch die **gemeinsamen ESMA/EBA-Leitlinien zur Eignung der Mitglieder des Leitungsorgans (EBA/GL/2021/06)** vom 2. Juli 2021, anwendbar seit dem 31. Dezember 2021 [2][3].
03Eine fortlaufende Pflicht
Fit & Proper ist keine einmalige Prüfung bei Bestellung, sondern eine **fortlaufende** Anforderung: Eignung und Zuverlässigkeit sind über die Amtszeit aufrechtzuerhalten und bei Anlässen (neue Mandate, Vorfälle) neu zu beurteilen. Das Regelwerk bewegt sich: Eine gemeinsame ESMA/EBA-Konsultation zu überarbeiteten Eignungs-Leitlinien (EBA/CP/2026/03) wurde am 25. Februar 2026 eröffnet — noch nicht verbindlich, aber zu beobachten.
Quellen
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