01Was die ESRS sind — die zwölf Standards
Die **European Sustainability Reporting Standards (ESRS)** sind das technische Regelwerk, das die Berichtspflicht der **CSRD** mit Inhalt füllt. Das erste Set steht in der **Delegierten Verordnung (EU) 2023/2772** (angenommen am 31. Juli 2023, in Kraft seit 25. Dezember 2023), die die Bilanzrichtlinie 2013/34/EU ergänzt. Es enthält **zwölf Standards**: die beiden übergreifenden **ESRS 1** (Allgemeine Anforderungen) und **ESRS 2** (Allgemeine Angaben), fünf Umweltstandards **E1–E5** (Klimawandel, Umweltverschmutzung, Wasser/Meeresressourcen, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft), vier Sozialstandards **S1–S4** und den Governance-Standard **G1** [1].
Wichtig ist die Trennung der Ebenen: Die **CSRD (Richtlinie (EU) 2022/2464)** schreibt vor, *dass* berichtet wird und *wer* berichtet; die **ESRS** legen fest, *was* und *wie* berichtet wird. Deshalb erscheint Aufsichts- und Standardsetzungs-Verkehr zu Nachhaltigkeit auf zwei Spuren — der Richtlinien-/Umsetzungsspur und der Delegierte-Rechtsakte-/EFRAG-Spur.
02Fundament: doppelte Wesentlichkeit
Die ESRS sind auf der **doppelten Wesentlichkeit** aufgebaut (ESRS 1, Abschnitt 3.3): Ein Thema ist zu berichten, wenn es aus **Wirkungssicht** (die Auswirkungen des Unternehmens auf Mensch und Umwelt, Innen-nach-außen) **oder** aus **finanzieller Sicht** (wie Nachhaltigkeitsthemen die Lage des Unternehmens beeinflussen, Außen-nach-innen) wesentlich ist — eine der beiden Perspektiven genügt. Diese Logik bestimmt den gesamten Umfang der Berichterstattung [1][2].
03Was sich mit dem Omnibus ändert
Das Omnibus-Paket greift an zwei Stellen: Die **Stop-the-clock-Richtlinie (EU) 2025/794** (in Kraft seit 17. April 2025) verschob die Anwendungszeitpläne; die inhaltliche **Richtlinie (EU) 2026/470** (anwendbar ab 18. März 2026) verengt den Anwendungsbereich und beauftragt eine Überarbeitung der ESRS. EFRAG legte der Kommission am 3. Dezember 2025 seine fachliche Empfehlung für vereinfachte ESRS vor; die Kommission konsultiert den Entwurf bis zum 3. Juni 2026 [3].
**Stand 2. Juni 2026:** Das erste Set (2023/2772) ist geltendes Recht; der überarbeitete, verschlankte Satz ist **noch Entwurf** und soll für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027 gelten. Die **doppelte Wesentlichkeit bleibt** erhalten — der Omnibus vereinfacht die Angaben, schafft das Prinzip nicht ab. Genau diese bewegliche Lage macht kontinuierliches Mitlesen der EFRAG- und Kommissions-Verlautbarungen zum Pflichtprogramm.
Quellen
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